Immer dabei mit Herz und Hand – Jehan

Immer dabei mit Herz und Hand – Jehan 

„Ich kann Frauen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, Mut machen und ihnen auch praktisch helfen – das tut mir auch gut“ sagt Jehan, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern aus Syrien nach Deutschland kam.

Als ehrenamtliche Sprachmittlerin und Lotsin begleitet sie Geflüchtete und Zugewanderte bei Arztbesuchen, zu Behörden und Ämtern. Dass sie selbst einmal die Helfende sein würde und nicht nur Unterstützung in Anspruch nehmen müsste, überrascht sie immer noch: „Am Anfang war hier alles sehr schwierig, ich hatte kaum Anschluss oder Kontakt zu anderen Menschen. Mein gesamtes Leben war ausschließlich meine Familie.“

Noch während ihrer Schwangerschaft begann sie ihr Philosophie-Studium in Damaskus. Ihr Mann war beruflich viel im Ausland unterwegs und nur selten bei der Familie. Nach acht Jahren Ehe beschlossen sie, Syrien zu verlassen und nach Deutschland zu gehen. Den Start in Deutschland betrachtet sie im Rückblick als schwer, besonders dass sie sich nicht mit anderen verständigen konnte und sich sehr isoliert gefühlt hat. Erst nach einigen Jahren in Deutschland konnte sie ihren ersten Sprachkurs absolvieren. Das war jedoch wie ein neuer Beginn für sie.

Mit den erworbenen Sprachkenntnissen erklärte sie beim Sozialamt, dass sie jetzt endlich arbeiten möchte. Auf die Entgegnung, dass sie ja keine Ausbildung habe, führte sie ihre Sprachkompetenzen an: „Ich kann arabisch, kurdisch und deutsch, und es gibt viele Migranten hier, die Sie nicht verstehen können“. Durch eine Kooperation mit der Stadt Halle und öffentlichen Behörden begann so ihr erstes Engagement als Sprachbegleiterin.

Als 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, war sie eine der ersten ehrenamtlichen Helfer*innen und Begleiter*innen in den örtlichen Unterkünften für Geflüchtete. Mit ihren Sprachkenntnissen und ihrem offenen Wesen konnte sie hier wertvolle Hilfe leisten. Daran anknüpfend engagiert sie sich seit 2017 als Patin und Lotsin für Geflüchtete und Migranten.

Besonders bei der Vermittlung und Begleitung zu Ärzten, zu Ämtern und zu Behörden sind ihre Hilfe und ihre Erfahrungen gefragt. Manchmal ist sie als Sprachmittlerin bei Veranstaltungen aktiv. „Vor allem Frauen benötigen viel Hilfe bei den Übersetzungen und im Alltag, da sie durch die Kinderbetreuung oft noch keinen Sprachkurs besuchen konnten.“ „Es wäre schön, wenn wir mehr ungestörte Treffpunkte hätten, an denen sich die Frauen untereinander begegnen und austauschen können“ sagt Jehan.

„Was ich mir für die Zukunft wünsche? Ich möchte gerne richtig arbeiten oder eine gute Ausbildung machen, aber ohne meine Zeugnisse funktioniert das nicht. Durch die Situation in Syrien kann ich meine Unterlagen nicht bekommen, obwohl ich bereits viel Geld dafür ausgegeben habe.“

Auch am Freiwilligentag hat sich Jehan begeistert eingebracht und gemeinsam mit anderen Freiwilligen in einer sozialen Einrichtung aus Stoffresten Taschen für den guten Zweck genäht.