Das Projekt

Fotoquelle: Freiwilligenagentur Magdeburg.

Um was geht es?

Engagement nicht nur für geflüchtete Menschen, sondern von und mit geflüchteten Menschen – das ist der Kerngedanke unseres Modellprojekts „Teilhabe durch Engagement“. Dafür erproben Freiwilligenagenturen an bundesweit zehn Standorten in Deutschland Wege, wie geflüchtete Menschen einen Zugang zu ihrem freiwilligen Engagement finden können – und im gemeinsamen Aktivsein mit anderen Freiwilligen vor Ort ein neues Zuhause.

Freiwilligenagenturen sind die Expertenorganisationen, wenn es darum geht, Menschen zu ermutigen, zu beraten und dabei zu begleiten, das für sie richtige Engagement zu finden. Im Projekt unterstützen wir geflüchtete Menschen bei ihrer Suche nach einem passenden freiwilligen Engagement, bei dem sie ihre Fähigkeiten nach ihren Vorstellungen einbringen können.

Warum ist uns das wichtig?

Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben, Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. Das muss für alle Menschen gelten, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft und abgesehen davon, wie kurz oder lange sie schon in Deutschland leben – also auch für Menschen mit Fluchtgeschichte.

Freiwilliges Engagement für schutzsuchende Menschen nimmt schon lange eine wichtige Rolle ein. In der ersten Zeit nach der verstärkten Einreise von Geflüchteten seit dem Sommer 2015 standen vor allem Nothilfe, Erstversorgung und Willkommenskultur für die ankommenden Menschen im Vordergrund. Von den freiwillig Engagierten in der Geflüchtetenhilfe wurde und wird hier Entscheidendes geleistet.

Inzwischen geht es auch darum, die neuzugewanderten Menschen dabei zu begleiten, ihre eigene aktive Rolle in der Gesellschaft zu finden. Und auch dafür ist Engagement eine zentrale Ressource. Denn es schafft den Rahmen, in dem sich Menschen als selbstbestimmte Akteure begegnen und gemeinsam Gesellschaft gestalten können.

Im gemeinsamen Engagement von geflüchteten Menschen und anderen Freiwilligen entsteht außerdem Begegnung. Die vorher „Neuen“ werden zu engagierten Nachbarn und Nachbarinnen und zu Aktiven vor Ort, die gemeinsam etwas auf den Weg bringen wollen. Egal, ob alteingesessen oder neuzugezogen: ein neues „Wir“ entsteht.

Was sind unsere Ziele?

Mit dem Projekt verfolgen wir drei Ziele:

  • Wir ermutigen geflüchtete Menschen und unterstützen sie darin, sich in Gemeinschaft mit anderen für die Gesellschaft zu engagieren (→ Engagement von geflüchteten Menschen stärken).
  • Vereine, Organisationen und Initiativen laden wir dazu ein, sich für das Engagement von geflüchteten Menschen zu öffnen (→ Interkulturelle Öffnung von Engagementfeldern).
  • Erfahrungen, die wir in unserem Modellprojekt machen und  sammeln, teilen wir mit anderen Freiwilligenagenturen und anderen Akteuren (→ Wissenstransfer).

Wer ist unsere Zielgruppe?

Wir arbeiten im Projekt mit den folgenden Zielgruppen:

Geflüchtete Menschen an den zehn Projektstandorten, die sich für ein freiwilliges Engagement interessieren.

Vereine, Organisationen und Initiativen an den zehn Projektstandorten, die sich für engagierte Geflüchtete öffnen wollen.

Andere Freiwillige ohne Fluchtgeschichte an den zehn Projektstandorten, die gemeinsam mit geflüchteten Menschen aktiv sein wollen.

Freiwilligenagenturen und ihre Mitarbeiter-/innen an den zehn Projektstandorten und darüber hinaus, die in der Geflüchtetenhilfe aktiv sind und ihre wertvolle Funktion als Brückenbauer-/innen ausweiten wollen.

Wie gehen wir dabei vor?

Die beteiligten Freiwilligenagenturen arbeiten an zehn bundesweit verteilten Orten unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie bilden sowohl in ihrer Trägerschaft (eingetragener Verein, Bürgerstiftung, VHS, kommunal) als auch in der regionalen Verteilung (Ost/West) und der verschiedenen Einzugsgebiete (Stadt, Land) die Vielfalt in der Landschaft der Freiwilligenagenturen ab.

Entsprechend unterschiedlich sind auch die Herangehensweisen, die die Projektmitarbeiter/-innen vor Ort entwickelt haben, um geflüchteten Menschen den Weg in ein freiwilliges Engagement zu bereiten.

Hier einige Beispiele für Vorgehensweisen:

Begegnungen zwischen Geflüchteten und Freiwilligen: Geflüchtete Menschen lernen freiwillig Engagierte bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten kennen. Freiwillige und Geflüchtete kochen beispielsweise zusammen, spielen zusammen Fußball oder machen einen Ausflug: Gute Möglichkeiten, um sich erst einmal kennenzulernen und zu erfahren, was eine Freiwillige oder ein Freiwilliger in einem Verein, einer Einrichtung oder in einer Initiative macht und motiviert.

Engagement-Spaziergänge: Geflüchtete Menschen und Freiwillige unternehmen gemeinsam einen Stadtspaziergang oder eine Busexkursion zu Einrichtungen, an denen freiwilliges Engagement geleistet wird. Vor Ort berichten Engagierte davon, warum ihnen ihr Engagement am Herzen liegt, wie ihr freiwilliger Einsatz konkret aussieht – und wo in der Einrichtung weitere Mitstreiter/-innen gesucht sind.

Aufsuchende Engagement-Workshops: Mitarbeiter/-innen der Freiwilligenagenturen gehen in Sprach- und Integrationskurse und stellen dort Idee und Möglichkeiten eines freiwilligen Engagements vor. Sie berichten von ihren eigenen Engagementerfahrungen, wie sie den Weg in ihr Engagement gefunden haben und was sie dabei selber gewinnen.

Konkrete Mitmachmöglichkeiten: Geflüchtete werden zur Mitwirkung bei eigenen Veranstaltungen gewonnen, die die Freiwilligenagenturen zusammen mit anderen Partnern der Zivilgesellschaft durchführen (z.B. Beteiligung bei einem Kinderfest, mehrsprachige Vorleseaktion im Stadtteil). Besonders der jährliche Freiwilligentag mit vielfachen, kurzzeitigen Engagementmöglichkeiten direkt vor Ort stellt hier eine gute Chance dar.

Engagement-Tandems: Geflüchtete Engagierte und bereits länger aktive Freiwillige engagieren sich als 2-er Teams gemeinsam in Vereinen und Einrichtungen. Die Geflüchteten lernen so die Rahmenbedingungen für ein freiwilliges Engagement, die Einsatzstelle und die konkrete Aufgabe an der Seite eines erfahrenen Engagierten kennen.

Weitere Beispiele für konkrete Maßnahmen finden Sie in der Beschreibung der praktischen Arbeit vor Ort unter „Standorte“.

Wer sind wir?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) e.V. wurde 1999 von lokalen Freiwilligenagenturen gegründet. Inzwischen sind rund 200 Freiwilligenagenturen Mitglied. Unser Verein ist partei- und konfessionsunabhängig – und als gemeinnützig anerkannt.

Die bagfa wird von einem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand, bestehend aus fünf Vertreterinnen und Vertretern aus Freiwilligenagenturen, geleitet. In Landesarbeitsgemeinschaften (lagfas) sind die Freiwilligenagenturen in ihren jeweiligen Bundesländern organisiert. Über den Länderbeirat der bagfa vernetzen sich die lagfas untereinander und diskutieren strategische und politische Fragestellungen.

Als Dach- und Fachverband ist es Hauptaufgabe der bagfa, Freiwilligenagenturen strategisch und qualitativ weiterzuentwickeln und miteinander zu vernetzen. Zusammengefasst ist die bagfa in fünf Tätigkeitsfeldern für Freiwilligenagenturen aktiv:

Austausch und Fortbildung ermöglichen: Die bagfa begleitet Freiwilligenagenturen bei der inhaltlichen und konzeptionellen Weiterentwicklung durch zahlreiche Fortbildungen und Vernetzungsangebote sowie die Jahrestagung.

Qualität fördern: Die bagfa unterstützt die Qualitätsentwicklung von Freiwilligenagenturen durch ein Qualitätsmanagementsystem und macht gute Qualität durch das bagfa-Siegel sichtbar.

Anerkennung und Öffentlichkeit schaffen: Die bagfa würdigt den Ideenreichtum der Freiwilligenagenturen durch den Innovationspreis und informiert durch ihre kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und ihre umfangreichen sowie praxisnahen Publikationen und Materialien.

Projekte entwickeln: Gemeinsam mit ihren Mitgliedern entwickelt die bagfa eigene Projekte oder beteiligt sich an bundesweiten Modellprojekten zur Erprobung neuer Ansätze, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.

Interessen vertreten: Die bagfa vertritt die Interessen von Freiwilligenagenturen auf Bundesebene. Darüber hinaus bringt sie die Erfahrungen von Freiwilligenagenturen im Dialog mit Politik, Verwaltungen, Unternehmen und Wissenschaft sowie Stiftungen und anderen Organisationen in die gesellschaftliche Debatte ein.

Kontakt

Foto: Ute Falkner

Annette Wallentin

bagfa e.V.

annette.wallentin@bagfa.de

fon 030 / 34 39 54 46